RLE – Monofokallinsen-Implantation

RLE (Refractive Lens Exchange, Refraktiver Linsenaustausch) ist der allgemeine Begriff für eine Methode, bei der die klare Linse (ohne Zeichen des Grauen Stars) gegen eine künstliche (monofokal oder multifokal) ausgetauscht wird. Dies wird bei Patienten mit Kurzsichtigkeit, Weitsichtigkeit, Astigmatismus oder Presbyopie (Altersweitsichtigkeit) gemacht.

Früher wurde häufig auch der Begriff CLE (Clear Lens Extraction, Klarlinsenextraktion) genutzt. Dies bezog sich fast ausschließlich auf die Korrektur höherer Formen der Kurzsichtigkeit durch ein monofokales Implantat.

RLE – Monofokallinsen-Implantation

Im Falle einer beidseitigen Implantation einer Monofokallinse muss der Patient damit rechnen, dass er weiter abhängig ist von einer Brille zur Korrektur mindestens eines weiteren Entfernungsbereichs. Alternativen zur Multifokal- und zur EDOF-Linse für die Korrektur einer Altersweitsichtigkeit ist daher die Monovision.

Prinzip einer Monovision-OP

„Monovision“ ist kein Linsen-Format. Monovision ist eine Implantationstechnik für Monofokallinsen, bei der ein Auge auf das Sehen in der Ferne komplett optimiert wird, während man das zweite für das Sehen in der Nähe korrigiert. Bei dieser Strategie sieht das komplett korrigierte Auge entfernte Objekte klar (aber die in der Nähe nicht so gut), und das leicht kurzsichtige Auge sieht ohne Brille sehr gut in der Nähe (aber nicht so klar in die Ferne).

Auf diese Weise lässt sich ein großer Entfernungsbereich mit einem mittleren oder ein mittlerer Entfernungsbereich mit einem nahen kombinieren. Nicht empfehlenswert ist hingegen, Fern- mit Nahsicht zu kombinieren, weil sonst das stereoskopische Sehen (die Sicht mit beiden Augen gleichzeitig und das plastische Sehen) gestört wäre.

Implantation einer monofokallinse mittels Injektor.

Die Monofokallinse wird im Kapselsack zentriert.

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Verlauf der Operation

Die Operation erfolgt ambulant, und das betreffende Auge wird mit Anästhesie-Tropfen unempfindlich gemacht. Zugleich werden Präparate verabreicht, die die Pupille so erweitern, dass die Linse, die hinter der farbigen Iris liegt, für die Operation zugänglich wird. Patienten, die sehr nervös sind, können auch Beruhigungstabletten nehmen. Der Eingriff an sich dauert maximal 15 Minuten. In manchen Kliniken werden beide Augen auf einmal operiert. Bei uns führen wir aus einer ganzen Reihe Gründen bei einer Sitzung nur die OP eines Auges durch. Das zweite Auge kommt dann spätestens nach zwei Tagen dran.

Wir operieren nach den strengsten Regeln der Sterilität, das Gesicht wird dabei mit einem sterilen Tuch abgedeckt. Für die Augenlider wird ein Lidhalter verwendet, der diese leicht auseinanderzieht und das Blinzeln verhindert. Der Hauptschnitt bei der OP wird an der Hornhaut angesetzt. Je nach Typ des Implantats liegt die Breite des Schnitts bei 2 bis 2,5 Millimetern. Wegen der Selbstheilungseigenschaft der Hornhaut muss der Schnitt nicht genäht werden.

Während der Operation werden die inneren Strukturen des Auges auf spezielle Weise geschützt: durch viskoelastisches Material. Dieses wird erst ganz am Ende der OP entfernt. Der Eingriff verläuft so, dass der zentrale Teil des vorderen Kapselsacks entfernt und die Linse mithilfe eines Phakoemulsifikationsgeräts abgesaugt wird. Der Rest des Kapselsacks wird komplett gereinigt, damit die Kunstlinse dort eingesetzt werden kann.

Das Implantat kommt in einen speziellen Injektor, in dem es in einer Weise gerollt wird, dass es durch die kleine Öffnung im Auge passt. Danach entfaltet es sich wieder zur eigentlichen Größe. Im Auge wird das Implantat in die frühere natürliche Hülle der Linse eingesetzt, in den sog. Kapselsack, und dort befestigt. Dann wird das Auge ausgespült, womit die Operation beendet ist. Manchmal wird zum Schluss noch eine Kontrolle vorgenommen und gegebenenfalls ein Astigmatismus korrigiert.

Erwarteter Effekt der Operation

Eine Verbesserung der Sicht bemerken die meisten Patienten unmittelbar nach der Operation des zweiten Auges. Das Bild kann in den ersten Wochen noch leicht verwischt sein, die Patienten haben meist das Gefühl einer Überbelichtung durch intensives Licht und nehmen Änderungen in den Farbgebungen wahr (intensiveres Weiß und Blau).

Das Sichtbild stabilisiert sich mit der Zeit, und unangenehme Effekte klingen ab. In seltenen Fällen treten bestimmte Effekte (Halo und Glare) auf, zum Beispiel bei starker Kurzsichtigkeit. Deswegen ist eine gute Vorbereitung der Operation wichtig und vor allem die Auswahl des richtigen Implantats für die individuellen Bedürfnisse des Patienten.

Das menschliche Sehen beruht grundsätzlich darauf, dass wir eigentlich nicht mit dem Auge, sondern mit dem Gehirn sehen. Die Augen übermitteln nur ein Abbild der Welt, die endgültige Analyse geschieht jedoch im Gehirn. Nach der Operation folgt daher eine individuell unterschiedlich lange Phase der sog. neuronalen Adaptation.

Diese Phase kann kurz sein, in der Regel mehrere Wochen, sie kann aber auch einige Monate lang dauern. Dabei spielt keine Rolle, ob die Operation mit oder ohne Komplikationen verlaufen ist und wie perfekt das dioptrische Ergebnis ist. Am häufigsten kommt es im Fall der Monovision-Technik zu einer längeren neuronalen Adaptation (wegen der Scharfstellung der Augen auf unterschiedliche Entfernungsbereiche).