Keratokonus

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Bei der Augenkrankheit Keratokonus wird die Hornhaut fortschreitend dünner. Die Folgen können ein verschwommenes Sichtbild, doppeltes Sehen, eine erhöhte Kurzsichtigkeit und Astigmatismus sein. Meist sind beide Augen betroffen, und manchmal kann es neben der Ausdünnung auf der Hornhaut auch zu Vernarbungen und Schwellungen kommen. Relativ häufig sind die Symptome begleitet von einer Allergie und einem Jucken der Augen.

Die Ursachen für die Erkrankung sind bis heute nicht bekannt. Man geht aber von einer Kombination von genetischen und hormonellen Faktoren aus, und nicht zuletzt besteht auch ein Einfluss durch die Umwelt.

Etwa einer von 2000 Menschen ist von einem Keratokonus betroffen. Am häufigsten taucht die Erkrankung in der späteren Kindheit und in der Jugend (15 bis 20 Jahre) auf. Sie kommt in allen Teilen der Bevölkerung vor, vergleichsweise häufig jedoch bei Menschen asiatischer Herkunft. Bei rund sieben Prozent der Erkrankten gab es schon vorher in der Familie einen Keratokonus, deswegen besteht wohl auch die Möglichkeit einer Vererbung.

Behandlungsmöglichkeiten

Nicht-chirurgische Verfahren

Bis zu 90 Prozent der Keratokonus-Patienten brauchen keine Operation. Die Behandlung erfolgt mit den folgenden Kontaktlinsen-Typen.

Der Vorteil von weichen Kontaktlinsen liegt darin, dass sie relativ gut vertragen werden. Bei höheren Stufen eines regulären oder irregulären Astigmatismus sind sie jedoch nicht ausreichend effektiv. Dann lässt sich auch kein erstklassiger Seherfolg erwarten.

  • Harte Kontaktlinsen

Die Grundlage für die Behandlung eines Keratokonus sind harte Kontaktlinsen, die gasdurchlässig sind (RGP-Linsen). Diese Linsen sind relativ klein, der Durchmesser liegt bei 8,0 bis 9,6 mm. Das Prinzip besteht darin, die Ansaugkraft der Linsen zu nutzen. Diese verhindert die Vorwölbung der Hornhaut auf dem Keratokonus-Auge.

Harte Kontaktlinsen garantieren ein relativ gutes Sehergebnis und sind erschwinglich. Jede Linse wird dabei nach Maß gefertigt. Da diese Linsen klein sind und sich bei jedem Blinzeln um ein paar Millimeter verschieben, klagen Patienten am häufigsten über den unbequemen Sitz. Die Linse überträgt ihr ganzes Gewicht auf die Hornhaut, die stark von Nerven durchzogen ist, was zum unangenehmen Tragegefühl beiträgt. Zudem verursacht die Bewegung der Linse beim Blinzeln auch Schwankungen beim Sehen.

  • Hybrid-Kontaktlinsen

Hybrid-Kontaktlinsen haben einen kleinen und harten Kern (ca. sechs Millimeter Durchmesser), der in einer großen, weichen Linse sitzt. Durch die Kombination beider Typen entsteht eine Linse, die problemlos eingesetzt werden kann, angenehm sitzt und zugleich ein gutes Sehen garantiert.

Die Nachteile von Hybrid-Kontaktlinsen sind die hohen Anschaffungskosten und die begrenzte Haltbarkeit. Gerade der Bereich, in dem der weiche Teil mit dem harten verbunden ist, bereitet Probleme, häufig lösen sich diese beiden Komponenten voneinander.

  • Sklerale Kontaktlinsen

Sklerale Kontaktlinsen überdecken die komplette Hornhaut, reizen diese aber nicht. Denn sie liegen auf weniger empfindlichen Bereichen des Auges auf: der Lederhaut (weiße Augenhaut – weißer Bereich des Auges). Die Größe von Skleralkontaktlinsen liegt zwischen 14,5 und 19,0 mm. Sie bewegen sich nur minimal beim Blinzeln und liegen stabiler auf dem Auge (vor allem im Vergleich mit den harten Kontaktlinsen).

Die meisten Patienten fragen sich beim Blick auf diese Linsen jedoch, wie man sie überhaupt ins Auge einsetzen kann. Gerade die Größe schränkt auch die Zahl der Nutzer ein. Diejenigen jedoch, die mit den Linsen umgehen können, loben den Tragekomfort und vor allem die Sehqualität.

 

Chirurgische Behandlungsmöglichkeiten
  • Corneal Collagen Cross Linking

Bei der Methode Collagen Cross Linking (CXL) wird das Hornhautgewebe mit einer Riboflavin-Lösung angereichert. Nachdem das Riboflavin in die Hornhaut eingedrungen ist, wird das Gewebe mit UV-Licht bestrahlt. Das Riboflavin (durch UV-Strahlung aktiviert) stärkt deutlich den Zusammenhalt der Kollagen-Fasern (cross linking = Verwebung). Auf diese Weise wird die Hornhaut fester und stabiler, was die Chance bietet, dass eine weitere Auswölbung gestoppt werden kann.

CXL eignet sich am besten für jüngere Menschen. Das Verfahren kann aber auch Patienten anderen Alters helfen, bei denen der Keratokonus instabil ist. Nach der Operation kommt es bei einigen der Behandelten neben einer Festigung der Hornhaut zu ihrer Abflachung.

CXL ist unserer Ansicht nach eine sichere Methode. Die häufigsten Komplikationen sind Schmerzen, die bis zu mehrere Tage nach dem Eingriff anhalten können. Rund 25 Prozent der Patienten bezeichnen die Schmerzen als stark, 45 Prozent haben hingegen gar keine Schmerzen. Die meisten der Behandelten klagen nach der OP über trockene Augen. Bei der Behandlung eines Keratokonus durch die CXL-Methode konnte der Prozess der fortschreitenden Vorwölbung der Hornhaut in rund 98 Prozent der Fälle gestoppt werden. Bei weniger als zwei Prozent der Patienten kam es zu einer Trübung der Hornhaut, die länger als sechs Monate andauerte.

Schwieriger ist hingegen ein chirurgischer Eingriff, bei dem Hornhaut-Segmente implantiert werden. Zunächst wird eine Art Tasche in die Hornhaut geschnitten, die bis auf rund zwei Drittel des Gewebes reicht und parallel zur Pupille liegt. Die Form und die Größe der Tasche entsprechen dem geplanten Implantat. Heute werden für die Herstellung der Taschen ausschließlich Femtosekunden-Laser genutzt. In die Tasche wird dann ein Kunststoffring eingesetzt, der rund oder halbrund sein kann. Es lassen sich auch zwei Segmente einsetzen.

Die Kunststoffringe drücken das umliegende Hornhaut-Gewebe nach außen. Dadurch wird der zentrale Teil der Hornhaut mit dem Keratokonus abgeflacht. Patienten können nach einer solchen Behandlung beim Tragen von harten Kontaktlinsen Probleme bekommen, bei weichen Kontaktlinsen gibt es hingegen keine Komplikationen.

  • Hornhaut-Transplantation

Bis zu fünf Prozent der Keratokonus-Patienten brauchen irgendwann eine Hornhaut-Transplantation. Dabei wird ihre erkrankte Hornhaut durch eine gesunde Spender-Membran ersetzt. Bei der perforierenden Keratoplastik (PK, PKP) werden alle Schichten der Hornhaut entfernt. Eine Alternative ist eine vordere lamelläre Keratoplastik (Deep Anterior Lamellar Keratoplasty). Dabei werden nur die vorderen Hornhautschichten entfernt, die hinteren (Descemet-Membran und Endothel) bleiben unangetastet.

Falls die reduzierte Sehschärfe vorrangig durch eine Vernarbung aller Hornhaut-Schichten (oder der Descemet-Membran) bedingt ist, führen wir eine perforierende Keratoplastik durch. Meist sind bei Patienten mit Vernarbungen der Hornhaut nur die äußeren Schichten betroffen, dann lohnt sich eher eine vordere lamelläre Keratoplastik.

Patienten, bei denen eine Hornhaut-Transplantation angezeigt ist, haben meist schon die oben erwähnten weiteren Behandlungsmöglichkeiten hinter sich – aber ohne gewünschten Erfolg. Da bei einer Transplantation die erkrankte (vorgewölbte) Hornhaut durch neues Gewebe ersetzt wird, hat dieses auch eine bessere Krümmung. Die neue, durchsichtigere und gleichmäßiger geformte Hornhaut ermöglicht eine bessere Sicht. Nach der Operation kann zudem die Sicht des Patienten noch mit einer Brille oder Kontaktlinsen angepasst werden.

Die häufigsten Komplikationen bei einer Hornhaut-Transplantation:
• Infektion
• Abstoßung der Spender-Hornhaut (je nach Methode in ca. 3 bis 30 % der Fälle)
• unregelmäßiger Astigmatismus und Rest-Refraktionsfehler
• Komplikationen beim Tragen von (v. a. weichen) Kontaktlinsen